Stress & Burnout: Innere Antreiber

Bei der Betrachtung der Ursachen von Streß und Burnout gibt es viele Auslöser-Kriterien.

Es wird häufig unterschieden in äußere und innere Stressoren.

 

In diesem Blog möchte ich auf die inneren Stressoren eingehen. Sie sind der Teil des Stresses, den wir uns selbst machen.

Ein psychologisches Erklärungsmodell nennt diese Stressoren die "Inneren Antreiber".

 

Was sind die inneren Antreiber?

Bei den inneren Antreibern geht es um Glaubenssätze, die wir sehr stark verinnerlicht haben.

Diese haben wir meist in unserer Erziehung erlernt und tragen sie als Erwachsene noch immer größtenteils unbewusst mit uns rum. Wie der Name schon sagt, treiben sie uns bei der Arbeit und im Privatleben an. Sie bestimmen unser Verhalten und durch die Übertreibung dieser Glaubenssätze führen sie zu negativen Auswirkungen.

 

Die theoretischen Ursprünge

Das Modell der "Inneren Antreiber" basiert auf der Transaktions-Analyse nach Eric Berne.

Die Transaktions-Analyse hat nachgewiesen, dass wir viele Entscheidungen nach einem unbewussten Lebensplan fällen, der in unserer Kindheit unter dem Einfluss der elterlichen Erziehung entstanden ist.

Die Analyse des unbewussten Lebensplan, die Skript-Analyse, hat als Ziel, sich belastender und einengender Normen und Regeln bewusst zu werden. Diese über die Jahre verankerten Botschaften mit dem erwachsenen, rational denkenden Anteil, dem sog. Erwachsenen-Ichs, zu überprüfen, sich wo nötig soweit als möglich von ihnen zu befreien, ist der Tenor dieses Modells. Damit man schließlich zu einem Verhalten kommt, wofür man selbst und eigenständig die Verantwortung übernehmen kann.

 

Die Amerikaner Kahler und Capers haben im Nachgang fünf grundlegende elterliche Forderungen herausgearbeitet,

die sie als "Innere Antreiber" bezeichneten. Sie lauten:

 

  • Sei perfekt!
  • Mach schnell!
  • Streng Dich an!
  • Mach es allen recht!
  • Sei stark!

 

Nach diesem Modell besitzt jeder Mensch diese fünf Antreiber. Aber nicht alle sind gleich stark ausgeprägt. Meist gibt es einen Primär-Antreiber und in der Regel sind die Antreiber nicht immer aktiv. Sie zeigen sich meist in stressigen Situationen oder im Zusammenhang mit anderen Menschen.

 

Wir können Antreiber in unserem Umfeld, z.B. bei Kollegen, beobachten. Der Perfektionist, der Strahlemann oder der Hektiker laufen uns im Alltag oft über den Weg. Oder wir beobachten diese an uns selbst.

Um die emotionalen Auswirkungen zu verdeutlichen, überzeichne ich mit dem Wort "immer". Es erzeugt schon beim Lesen einen gewissen Stress-Effekt. Und so fühlen sich dann auch Betroffene. 

 

 

Die fünf Inneren Antreiber

 

Sei immer perfekt!

Oder auch "Mach keine Fehler". Dies verlangt einen großen Perfektionismus und Vollkommenheit. Einerseits von mir, aber auch bei den anderen. Es ist ein Aufruf zur Überexaktheit und Pedanterie, sogar zur Übererfüllung der Erwartungen. Aber auch eine Warnung an die Toleranz. Bitte bloß nicht locker oder nachlässig sein. Das könnte sich rächen!

 

Mach immer schnell!

Oder auch "Beeil Dich". Dieser Antreiber ist Anlass, alles rasch und schnell zu erledigen. Auch rasch zu antworten, schnell zu sprechen, eilig zu essen und vieles mehr schnell zu tun. Es ist ein Aufruf zur Hektik und häufig auch eine verborgene Warnung, zuviel Nähe zu anderen zuzulassen.

 

Streng Dich immer an!

Oder auch "Nur nicht locker lassen". Alles geht nur über Leistung und Fleiß. Denn die Götter haben vor dem Erfolg den Schweiß gesetzt. Dabei ruft dieser Antreiber auf, dass vor allem die Leistung oder Anstrengung zählt vor dem Erfolg. Natürlich müssen sich die anderen dann genauso anstrengen. Der Antreiber warnt davor, sich gehen zu lassen und zu genießen. 

 

Mach es immer allen recht!

Oder auch "Sei liebenswürdig". Der andere ist immer wichtiger als ich selbst. Ich bin dafür verantwortlich, dass sich die anderen wohlfühlen. Ich komme den anderen entgegen, denn ich möchte geschätzt und anerkannt werden. Er sit ein Aufruf zur Freundlichkeit und der Vermeidung von Ärger. Er will Harmonie und Frieden. Er ist also eine Warnung vor Konflikten und davor, ja keine Bedürfnisse anzumelden." 

 

Sei immer stark!

Oder auch "Beiß auf die Zähne". Die meisten von uns kennen den Ausspruch "Nur die Harten kommen in den Garten". Das wird von vielen ernst genommen. Sei ein Vorbild, bewahre Haltung, eiserne Konsequenz zeigen und bitte, bloß keine Blöße zeigen. Am besten ist es, alles alleine durchzustehen und keine fremde Hilfe in Anspruch nehmen. Es ist ein Aufruf zum Heldentum um jeden Preis und warnt davor, Gefühle zu zeigen. 

 

 

 

Hintergründe

Hinter den inneren Antreibern stecken unsere Bedürfnisse. Diese können sein der Wunsch nach Bindung und Anerkennung, Selbstbestimmung und Autonomie, Selbstschutz, Wohlbefinden oder Leistungsstreben.

Wir erlernen bereits in der Kindheit, dass wir durch bestimmtes Verhalten unsere Bedürfnisse befriedigt bekommen.

Und wenden dieses Verhalten später als Erwachsene weiter an. Irgendwann werden diese Verhaltensmuster automatisch abgespult und laufen dann unbewusst ab. 

 

Auswirkungen

Wenn wir diese Glaubenssätze nicht hinterfragen, können sie uns blockieren und einengen. Vor allem dann, wenn sie als unumstößlich aufgefasst und ohne situativen Bezug übertreiben werden.

Antreiber werden gefährlich, wenn sie als absolute, in jeder Situation gültige Gebote wirken.

Antreiber in diesem Sinne sind nicht der Wirklichkeit angepasst. Und sie werden befolgt, als würde eine Katastrophe hereinbrechen, wenn man sich nicht nach ihnen richtet (Schlegel, 1979).

In ihrer Absolutheit sind die Antreiber nie erfüllbar, und sie verursachen letztlich Enttäuschungen und schlechte Gefühle.

 

Ein Beispiel: Hinter dem Antreiber "Sei immer perfekt" steht die Annahme "Ich bin o.k., wenn ich immer perfekt bin."

Erfülle ich diese Forderung nicht - und sie ist unerfüllbar -, entsteht das Gefühl "Ich nicht o.k., weil...".

Und dieses Gefühl äußert sich dann in Niedergeschlagenheit oder in Wut. 

Was ist die Folge bei den meisten? Um diese schlechten Gefühle zu vermeiden, werde ich es beim nächsten Mal versuchen, es perfekter zu schaffen. Und dadurch setze ich einen Teufelskreis in Gang.

Aus diesem Teufelskreis können wir nur ausbrechen, indem wir die Antreiber durch Erlauber ersetzen.

 

Vorgehensweise

Im ersten Schritt gilt es herauszufinden, welches die primären Antreiber sind. Diese machen uns das Leben am schwersten. Es gilt aber auch die Antreiber zu analysieren, die zwar in abgemilderter Form, aber auch im oberen Level agieren.

Für die Analyse gibt es den sog. Antreiber-Test. Den gilt es auszufüllen, so offen und ehrlich wie möglich.

Danach wird durch das Formulieren eines Erlaubers der Ausweg aus den Problemen gebahnt. 

Ein Beispiel für einen Erlauber bei "Sei immer perfekt" könnte sein, sich zu erlauben nach einem Mißerfolg kein schlechtes Gewissen zu haben. "Ich erlaube mir, dass ich auch mal was falsch mache und das ist in Ordnung so". Oder statt "immer schnell zu machen" könnten Sie sich sagen "ich erlaube mir mal durchzuatmen und fünf Minuten nichts zu machen". Wenn Sie sich wieder sagen "streng dich an", könnten Sie sich sagen, "ich mache das jetzt gelassen und ruhig".  

 

Was auf den ersten Blick sehr einfach klingt, bedarf aber meist intensiver Gespräche im Sinne von Exploration und Versöhnung. Denn Antreiber haben immer auch einen emotionalen Hintergrund: die Bindung an die Eltern und wichtige Bezugspersonen. Der notwendige "Abschied von den Eltern" (Halpern, 1978) kann kaum mit einfacher Willensbildung erwirkt werden. Vielmehr muss ein länger dauerndes Überdenken einsetzen. Hierzu können Fragen helfen. Das Gespräch mit dem Berater können diese Fragen meiner Meinung nach aber nicht komplett ersetzen. Das hängt vom Grad der Beeinträchtigung ab.

 

Wenn Sie Interesse am Antreiber-Test haben, sende ich Ihnen diesen gerne zu.

Sie können mir über den Direkt-Mail-Button eine Nachricht senden oder separat über info@bellinocoaching.com.

 

Gerne stehe ich Ihnen zur Verfügung, wenn Sie den Wunsch nach einem intensiveren Austausch und Klärung haben.

Auch hierzu können Sie die genannten Wege nutzen.

 

Beste Grüße

 

Giuseppe Bellino