Bald ist es vorbei!

Zuletzt bei einem Branchentreff: Ein langgedienter Vertriebler kam auf mich zu und erklärte mir, dass er in 6 Monaten in den vorzeitigen Ruhestand wechseln wird. Er wirkte zufrieden, aber irgendwie auch fahrig. Ich fragte ihn,wer denn sein Nachfolger sei, da er in seiner Unternehmung eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Er erklärte mir freudig, dass er schon den Nachfolger einlernt und nun von Tag zu Tag Teile seiner Region abgibt. Er erzählte es mit spürbarer Erleichterung. Da wir uns kurz vor der Pause befanden, entschieden wir, gemeinsam zu essen. Kaum hatten wir abgeschieden Platz genommen, erzählte er hektisch, wie oft er sich über seine Arbeit noch aufregt. Und er hat den Eindruck, dass es immer schlimmer wird bzw. mehr als vor der Entscheidung in den Ruhestand zu gehen. Irgendwie sehnt er sich den Tag früher herbei, gehen zu können. 40 Jahre war er mit kleineren Unterbrechungen im Job und die Hälfte der Zeit bei seinem derzeitigen Arbeitgeber. Aber die fachlichen und strukturellen Veränderungen der letzten 7Jahre hatten ihm und, laut seinen Erläuterungen, den meisten seiner Kollegen ziemlich zugesetzt. Zufriedenheit, Erfolg, Loyalität und die Identifikation mit der Aufgabe waren im freien Fall.
Er kam mit der zentralen Frage auf mich zu: "Bald ist es vorbei! Aber wieso rege ich mich noch so stark auf? Ich müsste doch nun gelassener sein, da ich den Job bald los bin?" Ich erzählte ihm, dass ich es bei mir auch schon nicht unähnlich erlebt hatte. Einerseits hielten mich meine Antreiber sogar beim Abschied noch auf Trab ( Mach es gut oder mach es allen recht ), andererseits senkte das baldige Ausscheiden meine Frustrations-Toleranz. Genau so liefe es auch bei ihm ab. Da der Wunsch nach und die Vorstellung von der Rente so stark und vielzählig waren, bauten dann eben auch jegliche Zurückhaltung und Selbstregulierungs-Mechanismen immer mehr ab.
Man könnte auch sagen, der Mann nahm innerlich kein Blatt mehr vor dem Mund. Er wollte nun nichts mehr beschönigen. Er wollte einfach nur noch weg! Wir sprachen über Möglichkeiten der Distanzierung von der Arbeit und auch über Loslassen. Nach über 40 Jahren nicht die einfachste Aufgabe... 

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